Yale Graphic Design 2008
Der (und ein politisch korrektes „Die“) eine oder andere hat es sicher schon auf meinen Flickr-Fotos gesehen – ich war letzte Woche bei der Thesis Exhibition der Master-Studenten des Grafik-Design-Studiengangs in Yale, wo es neben Freibier und Knabbereien (erschreckend, wie einfach man mich locken kann) auch noch die Arbeiten von 17 Design-Studenten zu konsumieren gab.

Was für mich anfangs etwas ungewohnt schien, waren die langen Poster-Fahnen, die sich über den Boden der gesamten Ausstellung erstreckten. Ungewohnt und schwierig waren siefür mich deshalb, weil es mir schwer fiel, einfach über die Arbeit anderer zu latschen. Also hab ich anfangs noch mit großen Schritten versucht, die Papier-Barrikaden zu überwinden, aber irgendwann habe ich gemerkt, dass es offenbar zum Ausstellungskonzept gehört und einfach viel zu viel Papier ist, als dass man wirklich eine Chance hätte, nicht drauf zu treten. Inmitten der Posterwege und -wellen gab es Podeste in Sitzhöhe, auf denen die Arbeiten der Studenten lagen.
Im Gegensatz zum Gesamt-Ausstellungskonzept, ist das Projekt „SAVE!“ von Emily Lamed mit dem, in den USA spätestens seit Ophras Green Grocery Bag, um sich greifenden Trend des nachhaltigen Verbrauchens zu vereinen. Sie hat alle 142 Seiten ihres Buches auf die Rückseiten von bereits einseitig bedrucktem Kopierpapier bedruckt und mit einer japanischen Faltung gebunden, was durch das dünne 80g Papier den ästhetisch reizvollen Nebeneffekt hatte, dass Fragmente des ursprünglichen Drucks durchschimmerten. Der zum Buch gehörende Schnittrest-Notiz-Kalender setzt nachhaltig nochmal einen drauf.


Auch die Schrift, die Julian Bittiner für das Ausstellungsposter entworfen hat, finde ich sehr reizvoll. Von dem Poster habe ich übrigens 2 Exemplare übrig. Wer also plant, mich zu besuchen, oder bereit ist, das Porto zu bezahlen, kann gern eins haben.
Trotz der durchweg guten Projekte war ich ein bisschen enttäuscht von der Ausstellung, weil der ganz große Kracher nicht dabei war, oder an mir vorbei gegangen ist, ohne mich zu streifen. Vielleicht lag es auch ein wenig daran, dass die Projekte sehr konzeptionell sind und man, auch wenn man das bei einer Show möglicherweise erwartet, nicht alle Projekte in 3-4 Stunden vermitteln, oder aus der anderen Sicht verstehen kann. Was mich wirklich beeindruckt hat, war, dass ausnahmslos alle Studenten eine Webseite haben:Julian Bittiner, Stina Carlberg, Tomas Celizna, Daniel Harding, Dawn Joseph, Jin-Yeoul Jung, Emily Larned, Lan Lan Liu, Thomas Manning, Ken Meier, Kyungmin Oh
Bethany Powell, Nicholas Rock, Stewart Smith, Fan Wu, David Yun und Roxane Zargham, auch wenn es da teilweise noch nicht wirklich viel zu sehen gibt.