Brian, mein Stresstherapeut
Als ich vor einem guten Monat nach Sydney geflogen bin, hatte mir British Airways den Weg vom Flughafen in mein neues zu Hause erleichtert, indem sie meinen Koffer in London Heathrow stehen gelassen hat. Das war sehr praktisch, denn so musste ich nach dem fast zweitägigen Flug nur meinen Rucksack schleppen. Das ich weniger Gepäck tragen musste wirkte sich allerdings auch auf ein anderes Tragen aus. Das meiner Kleidung. 4 Tage lang. So lange hat es nämlich gedauert, bis mein Koffer da war. Während dieser Zeit führte ich mehrere heitere Telefonate mit der BA in denen man mir frohlockend verkündete, das mein Koffer in London gefunden wurde. Ich glaube ich hätte den Mitarbeiter mit irgendwas erbaulichen loben sollen. „Gut gemacht, Großer“ oder sowas in der Art, jedenfalls habe ich das versäumt und offenbar jemanden enttäuscht zurück gelassen. Und so war der Statusbericht des folgenden Tages, auf die Frage, ob mein Koffer nun in Sydney sei „Wir wissen gerade nicht genau, wo Ihr Koffer ist“ Nicht weiter schlimm, dachte ich mir, ich bin ja hier im Land der Abenteurer und fühlte selbigen auch schon ein bisschen in mir. Naja, vielleicht ist riechen auch das passendere Verb. Egal. Am vierten Tag kam die frohe Kunde, mein Koffer sei da und man würde ihn mir bringen. Tat man auch. Ich hatte meinen Koffer wieder. Bei genauerem Betrachten, fiel mir aber auf, dass er wohl in blinder Verzweiflung über den Verlust einige Ecken in Heathrow nach mir abgesucht haben musste, die ihn nicht ohne Spuren davon kommen lassen haben. So erklärte ich mir einerseits die knubbeligen Verformungen an ihm und andererseits sein bereits erwähntes Versteckspiel mit dem BA-Personal. Vielleicht hat er auch dei Koffer von Kate Moss getroffen. Nachdem ich British Airways 2 mal auf meine Probleme mit Gepäck hingewiesen habe, ohne eine Antwort oder Bestätigung über den Eingang meines Formulars zu bekommen, habe ich heute bei der Service-Hotline angerufen. Nach der obligatorischen Warteschleife eine menschliche Stimme „Hallo, ich bin Brian, was kann ich für Sie tun“. Brian. Ich musste an ALF denken. Der hatte ja damals viel mehr verloren als ich. Seinen ganzen Planeten. Aber ob das auch in Heathrow war, daran erinnere ich mich nicht. Brian jedenfalls war in einem Callcenter, einem wo sicher 90% der Anrufer miesepetrig sind. Ich habe ihn dann gefragt, wie weit mein Formular bearbeitet ist. Blitzschnell sah Brian die Chance, mir nochmal die Warteschleife vorzuspielen um nach meinen Daten zu suchen. Bei sowas kann man sich erfahrungsgemäß darauf einstellen, dass die Dauer der Suche in indirekter Proportionalität zum Erfolg steht. Und so hat mich Brian zurecht ein Weilchen hängen lassen um mir dann zu erklären, dass von den beiden Online-Formularen keins angekommen ist, was an Problemen mit dem Server liegen könnte. Aber er wäre kein guter BA-Mitarbeiter, wenn er nicht in jeder Situation einen guten Ratschlag aus der Herrenhandtsche zaubern könnte. Und so schlug mir Brian vor, ich könnte ja nochmal das Online-Formular ausfüllen. Gut gemacht, Großer! Auf meine Nachfrage, ob es noch andere Wege gäbe, dieses Problem an British Airways heranzutragen, überlegte er kurz. Allerdings schien er nicht zu überlegen, welche Alternativen es gibt, sondern ob ich Lust hätte, nochmal in die Warteschleife reinzuhören, überbrückte aber statdessen mit seinem fröhlichen Mitmach-Liedchen „dümm di dümm, dümm di dümm“ die Zeit, während er die Faxnummer suchte. Er klang überrascht, als ich ihn und mich danach mit „Vielen Dank“ aus dem telekommunikativen Stützstrumpf für Langstreckenflüge befreite.