Web Promotion 2.0

Vor ein paar Tagen tauchten, wie aus dem Nichts, 2 Bootlegs einer Vorpremiere des TR2N (aka TRON 2) Trailers im Netz auf, wurden genauso plötzlich auf einer Menge Blogs gezeigt und kurze Zeit später durch Aufforderung der Disney Studios wieder von den gängigen Videoplattformen entfernt. Was ich anfangs für eine dumme Reaktion hielt, könnte der Schäferzug des Viralmarketings sein.

Hätte man einfach den Trailer online gestellt, gäbe es sicher hier und da kleine oder größere Diskussionen, ob man von einem Klassiker wie Tron ein Remake beziehungsweise eine Fortsetzung machen sollte. Manche würden sich auf den Film freuen, manche nicht aber insgesamt bestünde die Gefahr, dass der Film außer Geek-Nostalgikern und Comic-Fans nicht so viele interessieren könnte.

Falls Disneys PR-Abteilung selbst dafür gesorgt hat, dass die Bootlegs ins Netz gelangt sind, bevor man sie wieder entfernen lassen hat, wäre das ein genialer Kunstgriff, denn während die Mehrheit der Web-PR-Spezialisten noch glaubt, das Internet verstanden zu haben und virale Filmchen verbreitet, deren Spannungskurve unter der von „The Happening“ versickert, kommt durch die Bootlegs, deren Qualität so miserabel ist, dass Authentizität der einzige Grund sein kann, einer Webseite sowas anzutun, einiges in Wallung. Das Rezept Gib den Kindern kurz was sie lieben um es ihnen gleich wieder wegzunehmen dürfte bei der primären Zielgruppe – Kind gebliebene – funktionieren und Emotionen frei schaufeln. Da man es aber mit gewieften, erwachsenen Kindern zu tun hat, die das Internet für sich zu nutzen wissen, lädt immer wieder jemand die Bootlegs bei Youtube hoch, nachdem sie gelöscht werden, was in Fachkreisen auch McCaining genannt wird, oder baut auf die Macht die deutsch-russischen Freundschaft.

Nicht nur der Hauch des Verbotenen macht es so wichtig, das Video gesehen zu haben, sondern auch die Angst etwas zu verpassen. Während man vom Internet inzwischen gewohnt ist, dass alle Informationen überall und zu jederzeit verfügbar sind, muss man diesen Trailer JETZT schauen. In 10 Minuten könnte er schon wieder offline sein und man muss die Google-Video-Suche bemühen um das Filmchen vielleicht wieder zu finden.

Jedes hochgeladene und wieder gelöschte Video führt bei geringem finanziellen Aufwand so zu mehr Aufmerksamkeit, mehr Kommentaren, mehr Gerüchten und mehr PR, noch bevor dem Publikum überhaupt ein richtiger Trailer gezeigt wird, bei dem man beispielsweise auch die technische Qualität des Films beurteilen könnte.

raketentim, 30. Juli 2008

Madame Tutli-Putli

Ich komme gerade von der Rooftop Films After-Party, wo es das königlich sächsische Radeberger gratis gab. In New York. Toll. Toll war aber vor allem die Veranstaltung selbst. Bei Rooftop Films werden seit einigen Jahren allsommerlich – gibt es dieses Wort überhaupt – Kurzfilme gezeigt. Es gab mehrere schöne Filme, aber der, der mich heute am meisten beeindruckt hat, war Madame Tutli Putli. Madame Tutli Putli ist ein Stop Motion Animationsfilm, bei dem man sich erst fragt, warum er so echt wirkt und dann recht schnell merkt, dass es an den Augen der liebenswerten Dame liegt, die so unglaublich realistisch sind. Ab diesem Moment habe ich überlegt, wie sie es gemacht haben. Tatsächlich hat Madame Tutli Putli echte Augen. Im gesamten knapp 20 minütigen Film. Eine sicherlich aufwändige Arbeit, die sich gelohnt hat und bevor ich nun ewig versuche zu erzählen, wie der Film war, schaut ihn euch einfach selbst an und wenn ihr wollt auch das Making of.

raketentim, 28. Juni 2008

Big Buck Bunny – der neue Open Source Film

Vor ungefähr 2 Jahren wurde der weltweit erste Open Source Film, Orange’s Elephant’s Dream fertiggestellt. Neu oder besonders an diesem Film war, dass er ausschließlich mit Open Source Software wie Blender produziert war und auch – inclusive der Produktions-Dateien – unter Creative Commons Lizenz runter geladen werden konnte. Obwohl ich das Vorhaben ganz interessant fand, hat mich der Film damals nicht vom Hocker gehauen, was vielleicht auch an der etwas zähen Story lag.

Im Oktober 2007 hat die Blender Foundation wieder 7 Blender-Enthusiasten überzeugen können, in Amsterdam einen Open Source Film zu produzieren, der im April diesen Jahres fertig gestellt und nun veröffentlicht wurde. Big Buck Bunny handelt von einem riesigen Hasen, der sich, wie die Underdogs aus den Teenagermovies vor Clueless, gegen die gemeinen Zeitgenossen behaupten muss und ist, anders als Elephant’s Dream, lustiger, plüschiger, massenkompatibler.


Big Buck Bunny von Blender Foundation auf Vimeo.

raketentim, 03. Juni 2008

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