Bradbury Thompson’s Alphabet 26
Das erste, was Schulkinder im Deutschunterricht lernen, sind 26 Groß- und 26 Kleinbuchstaben. 52 Symbole, die es ihnen ermöglichen sollen, Texte zu dechiffrieren. Bradbury Thompson stellte 1950 ein Redesign des Alphabets vor, das nur 26 Buchstaben enthielt. Grundlage für dieses typografische Redesign war die Überlegung, dass gegenwärtig 2 Alphabete verwendet werden, das der Groß- und das der Kleinbuchstaben. Diese beiden Alphabete bestehen aus insgesamt 45 Symbolen. Diese mathematisch unlogische Summe ergibt sich aus dem Fakt, dass 7 der Buchstaben das gleiche Zeichen für Majuskel und Minuskel verwenden (c,o,s,v,w,x,z) und die 19 restlichen unterschiedliche.

Als er seinem Sohn beim lesen zusah, bemerkte er, dass dieser problemlos den Satz „Run Pal.“ lesen konnte, aber über den darauf folgenden Satz „See him run.“ stolperte. Das erklärte er sich damit, dass der Buchstabe „R“ im ersten Satz ein vollkommen anderer ist, als der im zweiten, „r“.
Thompson sah eine Möglichkeit, dieses Problem zu beheben, in der effizienten, konstanten Lösung durch das Kombinieren der besten Groß- und Kleinbuchstaben zu einem vereinfachten Alphabet, dem Alphabet 26. Ich habe auf dem Titelbild dieses Beitrags versucht, die Fontin, die ich hier im Blog nutze, an das Konzept von Thompson anzupassen. Das typografische Auge sollte nicht zu genau hinschauen und sich ruhig ein bisschen zukneifen. Neben den 7 ohnehin ähnlichen Zeichen (blau) wurden die Kleinbuchstaben a,e,m und n (grün) sowie die Großbuchstaben B, D, F, G, H, I, J, K, L, P,Q, R, T, U und Y (grau) in den Alphabet 26-Kader gewählt.
Der einfache, pragmatische Charakter, der dem Alphabet eine unverkennbare Ästhetik verleiht, hat mehrere Schriftgestalter dazu bewegt, weitere Schriften zu entwickeln, die auf diesem Konzept basieren. Neben Filosofia Unicase von Emigre ist die LTC Bodoni 26, spätestens, seit sie eine der Top 100 Types of All Time ist, sicher die Bekannteste:

Während Fonts, die strikt der Idee des Alphabet 26 folgen, zwangsläufig Ähnlichkeiten zu Capitalis-Schriften aufweisen, gibt es auch hier eine Schrift, die man in dem Kontext vielleicht als Pendant zur Karolingischen Minuskel bezeichnen kann – FontFonts FF Disturbance, mit Ober- und Unterlängen sowie Ligaturen.
Für diese Link-Dropperei könnte mir Fontshop eigentlich einen Gutschein schenken, aber ich glaube die haben momentan wichtigeres zu tun. Einige weitere Links zum Thema gibt es bei dieser Typophile-Diskussion und Manfred Kleins Freefont Mono Alphabet möchte ich zum Schluss auch noch erwähnen.
1.
Sehr schön!
Manchmal liegt das Gute auch noch näher als man denkt. Denn in diesem Zusammenhang sei noch auf die »Universalschrift« von Herbert Bayer hingewiesen, welche einen ähnlichen Ansatz verfolgte.
http://www.typografie.info/typowiki/index.php?title=Bauhaus-Typografie
Das Mono-Alphabet ist leider nur eine ziemlich zermurkste Akzidenz Grotesk.
2.
hm, eigentlich ein spitzenkonzept, ich mag sachen die einfacher sind. einfach ist gut, einfach ist besser, einfach ist einfach einfacher.
schade das sowas irgendwie in der gleichen kategorie spielt, wie ne sinnvolle buchstabenanordnung auf tastaturen, oder die anordnung des „open“-buttons an cd/dvd-laufwerken. die standards sind halt industriell gefestigt, egal ob es womöglich(/höchstwahrscheinlich) bessere ansätze gibt.
aber man soll ja die hoffnung nich ganz aufgaben, gates-vader hats ja auch nich ganz geschafft die rebellion der äpfel&pinguine niederzuschlagen, auch wenn nach wie vor ein grossteil des universums vom fenster-imperium beherrscht wird.
3.
Genau genommen sind es ja auch 27 Kleinbuchstaben und dem 27. Großbuchstaben steht auch kaum mehr was im Wege (im deutschspachigen Raum).
Ich finde in dem Fall einfacher nicht gut und auch nicht zwingend notwendig. Wenn man da mal die rund 50.000 Zeichen Chinas als Vergleich heranzieht, sind 52 (54) Zeichen doch überschaubar.
4.
Dass du mal, abseits eines gestalterischen Prozesses, Ligaturen und Buchstaben durcheinander würfelst, hätte ich nicht erwartet. Bei der Gelegenheit kann man gleich noch erwähnen, dass auch in China während der Fünfziger Jahre ein Konzept zur Vereinfachung der Schriftzeichen entwickelt wurde, das bis heute angewendet wird.
5.
Hach, ich habe es fast geahnt, dass die Meinungsverschiedenheiten um das »ß« hier ausbrechen könnten – über kein anderen Buchstaben/Ligatur wird in Deutschland lieber gestritten :D
Da ja über den Ursprung des »ß« nach wie vor Uneinigkeit herrscht und man trotz der Ligatur-Grundlage oft von einem Buchstaben spricht, gibts da wahrscheinlich kein falsch oder richtig. Wenn doch, Asche auf mein Haupt!
6.
dazu sag ich nur: wir haben euch was mitgebracht: spass! spass! spass! oder wie taktloss sagte „… s1, s2 / direkt vom s-bahn schacht ans mic / …“
7.
Schön, alles neu hier!! Nach ersten Berührungsängsten nun doch zum Schreiben und Grüßen über die Seemeilen bereit.. ich finde die Schrifthandhabung etwas schwierig, vielleicht Bequemlichkeit ?! Aber die Groß und Kleinbuchstaben bereichern doch auch durch ihren unterschiedlichen Raumgewinn. (Was mich uebrigens an das Spiel Deutschland-Serbien erinnert. Ich bin doch Radiolivespielhörer und während gestern live von Unzulaenglichkeiten beim Raumgewinn und überhaupt einem furchbaren Spiel seitens der deutschen Mannschaft berichtet wurde, werden die nun heut ueber den gruenen Klee gelobt, bäh ). Die Schriftart an sich ist mir uebrigens sehr symphatisch, weil sie mich an meine geliebt Volvicflasche erinnert, mit der ich mich bei 40° im Dachgeschoss woertlich über Wasser halte.. Dir alles gute nach NYC.. wann gehts eigentlich auf die Reise, oder bist hast Du die Lust verloren ?
8.
Doch, doch… es soll schon weiter gehen. Bis Mitte August bleib ich noch hier, dann werd‘ ich schauen, was mir Südamerika zu bieten hat, wenn alles glatt geht.
9.
na ich hoffe das klappt, das du noch in der stadt bist, wenn ich da aufschlage
10.
Na das hoffe ich aber auch! Wann kommst du denn?