endlich 12.11.

Eine blondierte Dame, die sich inzwischen ernsthaft mit den Wechseljahren auseinandersetzen muss, steht, mal mehr, mal weniger im Takt klatschend, vor der Bühne, auf der nach „Die Höhner“ nun die nächste Kapelle auftritt, deren Stil sich irgendwo zwischen Schmacht-Country und Volkstümlicher Musik versteckt. Über dem reichlichen MakeUp, das ihr Alter zu verbergen versucht, es aber stattdessen offen und strahlend kund tut, hat sie sich mit den Schminkfarben, die von der WM noch übrig waren, lustige Blümchen auf die Wange gemalt, die von einem frechen Punkt auf der Nasenspitze ergänzt werden. Im Komplimentärkontrast zu dieser Bemahlung trägt sie Haargummis im Plüsch-Look. 3 weitere Frauen und ein Mann stehen neben ihr und tragen das selbe Marienkäfer-Kostüm wie sie. Stilsicher wird dieses von einem FC-Köln-Schal ergänzt. In ihren Augen, die von Kölsch und Kräuterschnapps glänzen spiegelt sich die Wehmut darüber, dass sie morgen, wenn sie das Kostüm ausgezogen und die Blümchen abgewaschen hat, wieder in ihr tristes Leben schlüpft. Das Leben mit der Arbeit an der Supermarktkasse, wo sie immer darauf hingewiesen wird, sich nicht so viel mit der Kundschaft zu unterhalten, das Leben in der Partnerschaft, die sie schon lange nur noch aus Bequemlichkeit statt aus Liebe führt, das Leben mit den Freunden, bei denen sie anders als heute nicht das trägt, nicht das sagt, wozu sie Lust hat, sondern sich den Erwartungen der anderen unterordnet. Nein, Karneval ist nix für mich. Endlich 12.11.

raketentim, 12. November 2006
Ab jetzt ohne Werbung.

4 Kommentare zu “endlich 12.11.”

    1.

  1. madmar meint:

    … nanana lieber raketenschäf – da geht aber ganz schön das mutmassungs-pferdchen mit dir durch. weisst du wirklich die dinge die du uns hier über diese junge frau erzählst – oder nimmst du an, bzw. gehst von aus das dem so sei? … nich das ich deine vermutungen nicht nachvollziehen kann und auch mir drängen sich oft diese gadanken auf, wenn ich diese karnevalls-opfer sehe. – aber am ende ises halt nur vermutung – oder die arrogante anahmne das dein lebensweg ein viel erfüllenderer ist – als der der jungen frau … man weisses halt ni – abgerechnet wird am schluss.

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  2. 2.

  3. raketentim meint:

    natürlich alles nur mutmaßungen, aber nicht so unwahrscheinlich, denke ich. dass mein lebensweg jetzt unbedingt erfüllender ist, möchte ich nicht behaupten. manchmal ist der eher entleerend, aber das ist ein anderes thema.

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  4. 3.

  5. Manni Alaaf meint:

    ich möchte behaupten das ich einen, zumindest für mich, recht erfüllenden Lebensweg beschreite und trotzdem reihe ich mich jedes Jahr in die Heerscharen an Karnevalswütigen ein und pilgere nach Kölle um da für ein, zwei Tage ebenfalls mit kölschverklärten Augen durch die Stadt zu ziehen. Im Gegensatz zur Münchner Wiesn hab ich dort noch nie Hauhe angedroht bekommen und die rheinische Fröhlichkeit ist wirklich ein Phänomen. Aber jedem das seine denk ich mal.

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  6. 4.

  7. madmar meint:

    …das ist wirklich putzig. ich sträube mich ja bis jetz erfolgreich events wie oktoberfest oder karneval aufzussuchen. allerdings gibt es immer wieder leute (von dehen ich bis dahin dacht wir liegen auf einer wellenlänge) dir mir voller begeisterung von eben diesen events berichten … hm, natürlich beruht meine abneigung diesen events gegenüber auf vorurteilen – und wiedrum auch berichten von leuten (von denen ich noch heute denkle das wir auf einer wellenlänge liegen) … ich weiss ni – aber zumindest sollte ich zugeben das ich mir hier eigentlich nich erlauben kann kommentare zu diesen events abzulassen, da ich selbige noch nich aufgesucht hab.

    ps: tim, ich mach grad ne kleine tüte mitleid für dich auf.
    im übrigen wollte ich eigentlich nur endlich mal den begriff „mutmassungs-pferdchen“ anwenden …

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